Klassische Naturheilverfahren

Naturheilverfahren sind Heilmethoden, welche das Ziel haben, die Selbstheilungs- und Selbstregulierungskräfte des Menschen zu aktivieren. Sie beruhen auf der Grundannahme, dass ein Organismus erkrankt, weil seine natürliche Harmonie gestört wurde. Klassische Naturheilverfahren sind einfache, aber sehr wirksame Mittel, um Körper, Seele und Geist wieder in Balance zu bringen.

5 Säulen der Gesundheit

Die klassischen Naturheilverfahren sind die 5 Säulen der Gesundheit nach Pfarrer Sebastian Kneipp:

  • Phytotherapie
  • Hydrotherapie
  • Ernährungstherapie
  • Bewegungstherapie
  • Ordnungstherapie

Klassische Naturheilverfahren stellen in vielen Fällen eine sinnvolle und anerkannte Ergänzung zu Maßnahmen der konventionellen Medizin dar. Ihre Wirksamkeit wurde, im Gegensatz zu vielen anderen alternativmedizinischen Methoden, wissenschaftlich nachgewiesen.

Was sind Naturheilverfahren?

Naturheilverfahren bedienen sich der Mittel und Prinzipien, die in der Natur zu finden sind und über Heilkraft verfügen, wie z. B. Wasser, Wärme und Kälte oder Kräuter. Diese einfachen Heilmittel sind fester Bestandteil jeder Volksmedizin und sehen in verschiedenen Regionen anders aus, haben aber gemeinsam, dass sie ohne aufwendige Technik auskommen und sich aus der sogenannten Erfahrungsmedizin entwickelt haben.

Die klassischen Naturheilverfahren haben im Wesentlichen folgende Ziele:

  • Kräftigung des Organismus durch Reiztherapien, die die schnelle Anpassungsfähigkeit des Körpers auf äußere Reize fördern sollen, z.B. Warm-/Kalt-Anwendungen
  • Schonung und Entlastung des Organismus
  • Wiederherstellung des Gesundheitszustands z.B. durch Arzneimittel und Förderung der Entgiftungsfunktion des Körpers

Phytotherapie

Baldrian

Bild: “Der Echte Arznei-Baldrianhat eine lange Tradition als Arzneimittel der Pflanzenheilkunde” von Franz Eugen Köhler. Lizenz: Public Domain

Die Phytotherapie ist die Wissenschaft von der Behandlung und Verhütung von Krankheiten mithilfe pflanzlicher Stoffe. Hierbei werden stets ganze Pflanzenteile (Wurzeln und Rinden, Samen, Blüten und Blätter) oder die gesamte Pflanze selbst genutzt – im Gegensatz zur Pharmakotherapie, die mit isolierten Einzelwirkstoffen arbeitet. Pflanzliche Arzneimittel bezeichnet man als Phytopharmaka.

Pflanzen sind seit Jahrhunderten Grundlage für die Arzneimittelherstellung. Jede Region hat ihre eigenen Heilpflanzen – und jede Volksmedizin hat ihre eigene Heilkunst entwickelt. Viele dieser alten Heilkünste, die jede ihre ganz spezielle Phytotherapie besitzt, erfreuen sich heutzutage wieder wachsender Beliebtheit, besonders die traditionelle chinesische Medizin, der Ayurveda oder auch die Hildegard-Medizin.

Diese Beispiele stehen für erfahrungsheilkundliche Phytotherapie, die oft mit einem mythologischen Konzept verwoben ist. Die naturwissenschaftliche Form der Phytotherapie hingegen nutzt Pflanzen, deren Bestandteile auf ihre pharmakologische und physiologische Wirksamkeit hin untersucht wurden.

Der griechische Arzt Dioskurides verfasste schon 100 n. Chr. eine Arzneimittellehre, welche die Pflanzenheilkundeschriften bis ins 16. Jhd. beeinflusst hat. Auch Galen, der Leibarzt von Marcus Aurelius, Begründer der Galenik, behandelte mit Pflanzenarzneien, die bis heute ihre Gültigkeit haben.

Im Mittelalter gab es große Kräuterkundliche – bis heute verehrt wird die Mystikerin Hildegard von Bingen – die neben anderen Schriften auch eine Abhandlung über Pflanzen und Krankheiten verfasste. Der Arzt und Alchemist Paracelsus, der im 16. Jhd. lebte, widmete sich einer gründlichen und systematischen Betrachtungsweise der Pflanzenheilkunde und schrieb seine Erkenntnisse in seinem Werk „Herbaria“ nieder.

Heute besteht die Phytotherapie aus traditionell überlieferten Pflanzenarzneien und aus modernen Rezepturen. Gerade die moderne Wissenschaft hat es erst möglich gemacht, Wirkstoffe und Wirkmechanismen von Pflanzen nachzuweisen und so die Erfahrungsmedizin und Pflanzenheilkunde auf ein wissenschaftliches Fundament gestellt. Der Begriff Phytotherapie wurde schließlich vom französischen Arzt Henri Leclerc (1870 – 1955) eingeführt und die Pflanzenheilkunde damit zu einem Zweig der Wissenschaft gemacht.

Oft ist die Pflanzenheilkunde der Volksmedizin sogar Vorreiter erfolgreicher Medikamente der Neuzeit: So ist die Weidenrinde seit Alters her bekannt für ihre schmerzlindernde und leicht blutverdünnende Wirkung. Sie enthält Substanzen, die dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) ähnlich sind. Oder Digitalis purpurea, der rote Fingerhut, der in der Volksmedizin bei Herzbeschwerden eingesetzt wurde. Heute sind Digitalisglykoside als Wirkstoff in vielen modernen Herzmedikamenten zu finden.

Zubereitung pflanzlicher Arzneien – einfachste Form ist der Tee

Zubereitungsformen für Tee:

  • Infus = Aufguss
  • Dekokt = Abkochung
  • Mazeration = Kaltabkochung

Andere Darreichungsformen pflanzlicher Arzneien

  • Tinkturen
  • Flüssig-/Trockenextrakte
  • Tabletten, Dragees, Kapseln
  • Cremes, Salben, Bäder

Wirkstoffgruppen, die für die Heilkraft von Pflanzen verantwortlich sind

  • Anthranoide
  • Alkaloide
  • Ätherische Öle
  • Bitterstoffe
  • Cumarine
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Glykoside
  • Schleimstoffe